Mittwoch, 28. September 2016

Editorial 117


Liebe Leserinnen und Leser,

Verdammt! Ist es wirklich wieder schon so spät? Die lnternationalen Spieletage in Essen stehen gänzlich unvermutet wieder vor der Tür?! Ist der Spielejahrgang wirklich schon durch? Als Printmedium haben wir für die aktuellen Messeneuheiten einen zu langen Vorlauf … manchmal auch nicht.

lst doch jedes Jahr derselbe Rhythmus. Mit dieser Nummer ist der Kehraus fällig. Und in meinem Stall stellt sich wie jedes Jahr die Frage: Womit füllen wir jetzt noch unser Heft? Alle Toppspiele sind längst besprochen, alles erwähnt und kritisiert. Wir haben für Sie wieder alles zusammengekehrt, was noch übrig geblieben ist. Stopp! So geht's ja nicht. Erstaunlicherweise finden sich immer noch ein paar gute Spiele, die uns tatsächlich bislang durch die Lappen gegangen sind. Gut, dass meine Knechte den Jahrgang im Blick haben. Wir haben die Lücken dann doch noch auf den letzten Drücker füllen können. Mensch, wir sind doch verdammt profffesssionelll.

Ach, die Jury hat ja auch gesprochen. Das Ergebnis hat mich dann doch überrascht, und das sogar doppelt. Ich hatte fest damit gerechnet, das PANDEMIC LEGACY oder zumindest T.l.M.E STORIES den grauen Pöppel gewinnen würde. Und natürlich, dass Haba als Newcomer im Bereich jenseits von Kinderspielen ebenfalls für ARUBA ausgezeichnet wird. War wohl nix. Die Glückwünsche gehen an die Macher von CODENAMES und ISLE OF SKYE. Wenn Sie jetzt fragen, welcher Titel davon den roten und welcher den grauen Pöppel erhalten hat, finden Sie sich in guter Gesellschaft. Nämlich in meiner. Ob das eine nun den roten und das andere Spiel den grauen Pöppel gewinnt, macht für mich dieses Jahr so gar keinen Unterschied. Für mich altes Pferd ist ISLE OF SKYE eher ein rotes und CODENAMES eher ein graues Spiel.

Wächst wieder zusammen, was einst getrennt werden sollte? Wo ist denn bitte dieses Jahr die Trennlinie? Ich vermag es nicht zu erkennen, denn beide Spiele bewegen sich auf Kennerniveau. Für die Familie ist beides eher anspruchsvolle Kost, wobei ISLE OF SKYE immerhin noch bewährten Pfaden folgt. So ein Legespiel kennt man ja irgendwie.

Die Frage für den nächsten Jahrgang lautet also: Gibt es demnächst wieder zwei Kennerspiele für das längst nicht mehr separierte Spielevolk. Tom Felder als Vorsitzender der Jury hat zwischen Spielen für „alle Leute“ und für „Menschen, die schon etwas erfahrener im Erlernen und in der Anwendung von Spielregeln“ sind, differenziert. Es geht nicht mehr um die bislang beschworene Familie. Alle Leute sind alle Leute, da ist keine Abstufung beim Anspruch mehr erforderlich. Rot ist das neue Grau. Allerdings ist bei der Wahl der beiden Preisträger wohl entscheidend, in welchen Kreisen sich die Jury bewegt und in welchem Milieu deren Alltag spielt.

Im Internetzeitalter hält uns Google maßgeblich in einer Blase, der man, ohne sich dessen bewusst zu werden, nur schwer entrinnen kann. Egal, wonach man sucht, Google weiß schon, was wir mögen. Man bekommt Ähnliches vorgesetzt, weil es doch viel schöner ist, seine Meinung und Vorlieben bestärkt zu bekommen. Ist das vielleicht auch ein Prozess, der in der Jury abläuft? Sind da nicht zu viele Vielspieler vereint? Zu viele akademische Männer, die mittlerweile von und durch die Szene beeinflusst werden? Spielen nicht sowieso überproportional viele Akademiker Gesellschaftsspiele? Ich denke schon, wobei diese Szene traditionell eher zu anspruchsvoller Kost neigt.

Die Messe in Essen dürfte wieder von Spielen auf diesem Niveau wimmeln. In unserer Scout-Aktion wird diese Vorliebe bislang zuverlässig abgebildet. Wir leben also allesamt in der sich selbst bestärkenden Blase, dass anspruchsvolle Spiele auch gute Spiele sind. Sind sie meistens, ist ja unbestritten. Aber manches Mal sollten wir über den Tellerrand blicken. Mal ohne Vorurteile mit nicht so erfahrenen Spieler spielen, deren geringe Ansprüche ernst nehmen, sie nicht mit seitenlangen Regeln erschlagen … Wer macht das schon? Ich weiß, das ist anstrengend. Aber ich weiß auch, wer das macht. Verlage, die für den - für uns eher negativ belegten - Massenmarkt produzieren, sind darauf angewiesen, die Ansprüche der Gesellschaft als Ganzes zu bedienen. Leute - Gesellschaft sind nicht nur wir Vielspieler!


Wir sehen uns in Essen


Ihr Harry


p.s.: Unsere Scout-Aktion läuft wieder, bitte denken Sie an lhren Scout-Ausweis.

Donnerstag, 15. September 2016

Fairplay 117 - Oktober bis Dezember 2016

Reportagen

  • Spielagon
  • Heiße Luft oder frischer Wind? Wolfgang Friebe und Kathrin Nos ergründen, was am Hype von PANDEMIC LEGACY und T.I.M.E STORIES wirklich dran ist.
  • Das freie Elektron: Der französische Autor Roberto Fraga im Porträt
  • Nachruf: Harald Bilz

Kritiken

  • Iki
  • Yeti
  • Via Nebula
  • Leo muss zum Friseur
  • Stronghold
  • Aya
  • 504
  • Completto
  • They come unseen
  • Skull King Würfelspiel
  • Roll for the Galaxy
  • Tumult Royal und Schmuggler

Interviews

  • Maria Kühne über spielagon.de
  • Thomas Fedder über 504
  • Matthias Karl übers Skull King Würfelspiel

Rubriken

  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Nachschlag: Das Goldene Zeitalter - Kulte & Kulturen, Colt Express - Postkutsche & Pferde, Dominion Abenteuer
  • Aufgewärmt: Alles im Eimer, Agricola - Familienversion
  • Jeux de Deux: Bohnanza - Das Duell
  • Fast Food: Crazy Time, Star Wars Risiko, Kerala, Lichterfest, Sifaka, Asterix & Obelix - das große
  • Abenteuer, Halt mal kurz, Qwinto
  • à la carte: Elements, Pingvasion, Cards, Royal Goods / Oh my Goods, Broom Service - Das Kartenspiel
  • ausSCHACHtungen
  • Rückblick: Fairplay 38
  • Preisrätsel: Die wunderbare Welt der Schwerkraft
  • Wir spielen gern ...
  • Bestenliste
  • Noten

Mittwoch, 6. Juli 2016

Editorial 116

Liebe Abstimmerinnen und Abstimmer,

die Jury muss noch ihren finalen Job machen, wenn Sie dieses Heft in Händen halten. Hier zu schreiben, welches Spiel gewinnt, wäre vermessen. Darüber zu spekulieren, macht natürlich besonders viel Spaß. Peter Nos hat schon die Chancen der nominierten Spiele analysiert. Ich habe natürlich auch eine Meinung und orakel gerne mit. Also wenn Sie mich fragen täten, welches Spiel gewinnt, dann sag ich hier nix! Ich bin Profi, will doch die liebe Jury nicht beeinflussen.

Immer wenn Mutmaßungen ins Kraut schießen, weiß ich wieder: Der Jahrgang ist gelaufen. Oh, hab' ich das nicht auch schon vor einem Jahr geschrieben? Ach, ist doch herrlich, wenn das Spielejahr seinem ganz eigenen Rhythmus folgt. Ich kann mich jetzt zurücklehnen und mich auf die kommenden Neuheiten freuen. Moment, erstens müssen wir vor Essen noch eine Ausgabe erstellen, außerdem müssen Sie ja noch für den Deutschen Spielepreis anbstimmen. Wie immer finden Sie Ihre persönliche Abstimmkarte im Heft. Internet-Nativ-Spieler stimmen online ab. Das ist schneller, ist aber längst nicht so schön, als wenn man sich in Ruhe mit einem Stift in der Hand überlegt, welche Spiele man notiert.


Was würden Sie wählen? PANDEMIC LEGACY ist bei boardgamegeek seit Eintritt in die Charts auf Platz 1 hochgeschossen. Als bestes Spiel überhaupt, als bestes thematisches Spiel und als bestes Strategiespiel. Beeindruckend. Die meisten geben diesem Spiel 8, 9 und 10 Punkte. Wenn das nicht ein Hype ist!? Die User von boardgamegeek sind eben nicht normal verteilt.

Ich frage mich allerdings, ob da nicht ein bisschen Fiktion im Spiel ist, der Glaube, dass es unheimlich viel Spaß macht, PANDEMIC LEGACY zu spielen, wenn man es denn bis zum Ende spielen könnte. In meiner Runde haben wir es nicht zu Ende gespielt. Die Terminabsprache machte es einfach zu schwierig, um kontinuierlich am Ball zu bleiben. Außerdem packte einen Mitspieler doch arge Unlust, immer wieder fast dieselben Probleme zu lösen. Aber PANDEMIC LEGACY wird es dieses Jahr machen, weil alle es einfach gerne spielen wollen würden, wenn sie es können könnten.
Und noch ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert: Als ich noch jung in der Szene war, ich die seelige Pöppel-Revue als erstes Szene-Magazin überhaupt in Händen hielt, habe ich abgestimmt:

Beim Goldenen Pöppel. War ja so was wie der Vorläufer des Deutschen Spielepreises. Und weil die DIE 1. MILLION von Hexagames in der Pöppel-Revue so super wegkam, habe ich das auch auf meine Abstimmkarte geschrieben. Ohne es ein Mal gespielt zu haben und nur weil die mir bekannten Altvorderen bereits dessen Vorläufer MONAD in der 3M-Mini-Kassette so geil fanden. Ich hab' nur für dafür gestimmt, weil ich die um ihr 3M-Spiel beneidet habe, so wie ich heute all die beneide, die PANDEMIC LEGACY zu Ende gespielt haben. Wer hat's zu Ende gespielt?

Trotz, dass ich ein paar Monatsrunden gespielt habe und trotz allen Neids würde ich heute nicht für PANDEMIC LEGACY stimmen, sorry! Wenn ich dieses Spiel anfange, dann weiß ich, dass ich das auch mit denselben Leuten zu Ende spielen muss. Ich kann's nicht mit anderen weiterspielen, mein angefangenes PANDEMIC LEGACY kann ich im Prinzip wegschmeißen.

Besser dann T.I.M.E-STORIES, da hat das Spielen derselben Story in zwei Gruppen bereits geklappt. Ich musste mir zwar mit der zweiten Gruppe so manches Mal auf die Zunge beißen, aber es ging … mit nur ein ganz klein wenig mogeln. Kann man aber wirklich nur machen, wenn man sich wirklich zurück hält. Dann haben wenigstens noch die Mitspieler Spaß, tauchen in die Geschichte ein. Da habe ich dann sogar als Wissender Vergnügen, zumal ich mit meiner ersten Runde gescheitert bin.
Wissen Sie jetzt, was Sie wählen werden? Die üblichen Verdächtigen aus den üblichen Verlagen?Wie wär's mal mit DIE UNÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN? Basteln Sie sich doch mal 100 Fotokarten mit Spielecovern drauf, dazu noch passende Fragen à la „Würde ich mit meiner Schwiegermutter spielen“ oder „Kann ich nur mit Fairplay-Abonnenten spielen“ oder „Gewinnt den Deutschen Spielepreis.“

Jetzt dürfen Sie selbst abstimmen.

Ihr Harry

Montag, 27. Juni 2016

Fairplay 116 - Juli bis September 2016

Reportagen und Kommentare

  • Spiel des Jahres 2016
  • Gewürfelt wird immer: Justice League Hero Dice, Im Schatten von Gotham City, Kribbeln, Speed Dice, Römisch Pokern
  • Der Roman von Andor: Das Lied des Königs
  • Martin Wallace
  • Nachruf: Fritz Gruber, Ingo Laubvogel

Kritiken

  • Dynasties
  • Imperial Assault
  • Krazy Wordz
  • Signorie
  • Inhabit the Earth
  • Imhotep
  • Happy Birthday
  • Ships
  • Champignons of Midgard
  • Haspelknecht
  • Pandemic Legacy: Season 1
  • Quadropolis
  • Oben und Unten
  • Sheriff von Nottingham
  • Böhmische Dörfer

Interview

  • Oliver Igelhaut über Igelspiele

Rubriken

  • Editorial
  • Rückblick: Fairplay 37
  • Nachschlag: Heckmeck Extrawurm, Drecksau Sauschön
  • Jeux de Deux: 7 Wonders - Duel, Die Legenden von Andor - Chada & Thorn
  • Jugend Spielt: Magic: The Gathering
  • Fast Food: Baby Blues, The Last Spike, Die Burgen von Burgund - das Kartenspiel, Animals on Board, My Village, Top 12
  • Kinderportion: Burg Flatterstein, Wunschmaschine, Mein Schatz, myroodis
  • Wir spielen gern ...
  • Aufgewärmt: Die Holde Isolde
  • à la carte: Kobayakawa, Die Portale von Molthar, Pi mal Pflaumen, DREIst!, Games of Trains
  • Preisrätsel: Puzzles zum Spielen
  • Bestenliste
  • Noten

Freitag, 1. April 2016

Fairplay geht auf Youtube

Fairplay macht Videos, aber noch nicht jetzt. Meine Knechte finden doch immer Gründe, warum es nicht geht: Keine Kamera, kein Studio mit vernünftigem Licht, kein Konzept und überhaupt! Es gäbe doch schon so viele andere Profis. Erst soll ich für die Ausrüstung sorgen, dann, ja dann, wären die Knechte bereit, vor die Kamera zu treten.

Also das mit dem Studio ist doch kein Problem. In meinem Stall ist es immer hell, besonders hell natürlich draußen auf der Weide.

Nur die Kamera?! Nur das beste Modell wollen sie haben, mindestens eine JVC GY-HM200E. Das fordern die, echt!? Wie soll ich armes Pferd denn 2500 € auftreiben? Jeder, der auf mich Rennesel wettet, ist doch verloren. Bei meiner Außenseiterquote!

Was soll ich nur machen? Meine Knechten sollen endlich Youtuber werden. Da kann ja nicht so old fashioned weitergehen!

Wir haben doch so an die 3677 Rezensionen aus 115 Heften auf Vorrat. Die lassen sich doch verwerten. Genau – bei Amazon!

So, ihr lieben Knechte: Ab sofort wird täglich unter meinem Namen für die nächsten 10 Jahre eine Rezension bei Amazon eingestellt. Das hat zwei Vorteile:

Ich habe endlich die Übersicht, welche Spiele wir schon bewertet haben. Bei so vielen Spielen weiß ich doch gar nicht mehr, was wer über welches Spiel geschrieben hat.

Und Amazon macht mich dann bestimmt zum Vine-Rezensenten. Dann kann ich mir endlich kostenlos eine Kamera und entsprechendes Equipment auswählen. Logisch schreibe ich darüber eine Rezi. Da bin ich Profi, da kenne ich mich aus.