Montag, 22. Dezember 2014

Editorial 110


Liebe Richterinnen und Richter,

… der Prozess ist eröffnet. Nicht, dass uns irgendeine Anklageschrift persönlich überreicht wurde. Das löst man heute eleganter im Internet. Hört Zeugen, wittert Manipulation, prangert fehlende Transparenz an, eröffnet aber immer die Anklage. Und was dann alles für Unwahrheiten ausgekübelt werden, die wiederum zu völlig falschen Schlüssen führen, ist schon eine wundersame Geschichte. Und nicht einer von diesen Menschen hat mit uns gesprochen, dafür lieber über uns. Und ich hab' sie mir alle gemerkt: Den Autor, die Rezensenten, den Redakteur und all die anderen auch. Und alles nur, weil … ja warum eigentlich?

Eigentlich dachte ich immer, dass alles klar ist mit Ihrer und unserer Scout-Aktion. In all' den Jahren, die wir die Aktion schon in Essen fahren, dürfte doch auch allen Mitspielern klar gewesen sein, was das Ergebnis der Scout-Aktion während der Messe ist. Ich zitiere mich mal selbst aus dem letzten Edi: „Die Scout-Liste ist nur eine Art Barometer, das unseren Standbesuchern einen Weg zu interessanten Neuheiten weist.“ Also keine hochwissenschaftliche Statistik, kein 100% reproduzierbares Ergebnis, aber dennoch für alle Beteiligten eine win-win-win-Situation.

Und natürlich ist die Scout-Aktion auch eine überaus ernste Angelegenheit für alle Querulanten, Hater und Trolle, die sich über mögliche Unzulänglichkeiten aufregen wollen und immer was zu kacken haben. Es ist ja auch verdammt ernst, denn der eine oder andere Verlag zieht seinen Vorteil daraus, bei uns mit seinem Spiel auf dem Regal und der Liste zu stehen. Zwangsläufig wird das (Kauf)Interesse geweckt, so oft wie das Regal fotografiert und die Liste abgeschrieben wird. Wir bieten da auch einen guten Service, gleich mit Standnummer.

Und genau das haben wir bei einem Verlag völlig falsch eingeschätzt. Der wollte uns ganz und gar nicht ein Exemplar für das Regal zur Verfügung stellen. Auf gar keinen Fall. Mein Knecht, der das Spiel gerne abgeholt hätte, wurde entsprechend abgefertigt. Und auf der Messe, bei all dem Stress und Lärm, kann dann schnell ein Wort zum anderen kommen. Weiß ich aus eigener Erfahrung. Was meinen Sie, wie es manchmal bei uns im Stall zugeht. Da wird gestritten und ausgeteilt, und am Ende kommt man doch gut miteinander klar, rauft sich zusammen und findet eine Übereinkunft. Dumm nur, wenn irgendein Zaungast gleich überall herumkrakelt, dass da gerade ein Streit war. Super, wenn der sich sogar noch einmischt, seinen Senf dazugibt und vor dem Ende davon galoppiert, um es seinen Freunden im Netz brühwarm zu erzählen. Da müsste man gleich einen Richter rufen und den Mann vor den Kadi stellen.

Dann lieber ganz sachlich. Für uns gänzlich irrational, dass a) der Verlag bockbeinig blieb und gar nicht irrational, sondern erwartbar, dass b) ein paar Pawlowsche Hunde deshalb angeschlagen haben. Aber warum die ganze Aufregung? Natürlich haben wir den Verlag nicht von der Scout-Aktion ausgeschlossen. Wir sind doch Profis. Nur aufs Regal ist er mit seinem Spiel nicht mehr gekommen, in der Liste aber vertreten. Allerdings nur, weil mich meine Stallknechte im Zaum gehalten haben. Ich hab' schließlich auch schon schnaubend vor (Klein)Verlegern gestanden, die mich mit einer Verpflichtungserklärung nötigen, mir ein mit „Rezensionsmuster“ vollgeschriebenes Cover aufdrücken oder mir überhaupt kein Rezensionsmuster geben wollten. Und doch haben wir uns später geeinigt, ganz ohne richterliche Beteiligung. Sehr beeindruckend, als ein Verleger mir ein oder zwei Messen später mit dürren Worten Rezensionsmuster in die Hand drückte: „I've changed my policy!“

Wenn wir schon die Party schmeißen, bei der alle vom Buffet essen dürfen, erwarten wir von jedem einen Beitrag. Die Scouts voten für die Spiele, die Verlage stellen auf Nachfrage ein Exemplar für das Regal zur Verfügung, wir machen die Auswertung. Dann läuft die Party, jeder kann Spaß haben. Wer nicht will, kommt eben nicht aufs Regal. Grundsätzlich ist uns aber jeder Gast willkommen, der sich an der Party beteiligen will. Außerdem gilt: Unsere Party, unsere Regeln. Ist doch bei Ihrer Party nicht anders. Ach ja, uns hat wegen des Shitstürmchens tatsächlich eine Kündigung erreicht. Allerdings von jemandem, der jetzt kündigen würde, wenn er denn ein Abo hätte. Wenn das ein Abonnent wäre, hätte ich dem auch gleich gekündigt. Aber warum soll ich mir solch absurde Mühe machen?

In diesem Sinne, Schöne Weihnachten!
Ihr Harry

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Fairplay 110 - Januar bis März 2015

Der Inhalt:

Essen 2014

  • Deutscher Spielepreis
  • Messebericht
  • Promoaktion
  • Messeansichten
  • Scoutkommentar
  • Fairplay Scoutnoten 2014
  • À la Carte 2014 und der Schwarze Luxx

Kritiken
  • Race To The Rhine
  • RoboRama und Twin Tin Bots
  • Die Staufer
  • Deus
  • Eye Know
  • Beasty Bar
  • Navajo Wars
  • Orléans
  • Krosmaster Arena
  • Spexxx
  • World of Tanks - Rush
  • Abyss
  • Panamax

Interviews
  • Thomas Reh über Spielen geht immer
  • Andreas Steding über die Staufer

Rubriken
  • Editorial
  • Inhaltsverzeichnis
  • Rückblick Fairplay 31
  • Fast Food: Doodle City, Zeitalter des Krieges
  • à la carte: 100!, Flatterspatzen, Absacker, Parade, Auf nach Indien!
  • Kinderportion: Drecksause, Pick an <animal>
  • Wir spielen gern ...
  • Preisrätsel: Tangram Revisited
  • Bestenliste
  • Noten


Montag, 15. Dezember 2014

Jan Drewitz nominiert für Medienpreis ALEX

Wir freuen uns sehr, dass Fairplay-Mitarbeiter Jan Drewitz mit seinem Artikel zu Onlinespielen aus Fairplay 109 für den Medienpreis ALEX nominiert wurde. Dieser Preis wird von der Spiele-Autoren-Zunft an Journalistinnen und Journalisten verliehen, die sich auf besondere Weise mit dem Thema Spielen auseinandersetzen. Wir gratulieren Jan zur Nominierung und drücken die Daumen, wenn Mitte Januar entschieden wird, welcher nominierte Beitrag gewinnt!

Montag, 20. Oktober 2014

Wie funktioniert die Scout Aktion?

Auf der Messe ist alles klar: Hinkommen, Abonnent sein oder sich registrieren, Notenzettel mitnehmen, viel spielen, wiederkommen und Notenzettel wieder abgeben. Und ab Freitag morgen hängt dann die erste Auswertung an der Pinnwand und die ersten Spiele stehen auf unserem Regal. Jede Menge Besucher aus aller Herren Länder, aus Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal, U.S.A., Japan, Polen, Niederlande, Belgien, Rumänien, Großbritannien und ... kommen zu uns, schreiben sich die Liste ab oder fotografieren das Regal … das Ranking bietet schließlich Orientierung. Welche Spiele sind gut, wo können diese Spiele angesehen, gespielt, gekauft werden?
Und nein, die Liste erstellt sich nicht von allein. Im Vorfeld mailen wir alle uns bekannten Verlage an: Welche Neuheiten gibt es, wo ist der Stand. Klar, dass wir den Verlagen die Modalitäten erklären. Auch, dass wir gerne ein Exemplar des Spiels hätten, wenn es aufs Regal kommt. Wir sind da ziemlich flexibel, stellen auch mal nur die Schachtel hin, weil gerade keine Exemplare mehr verfügbar sind. Natürlich gibt’s auch einen Redaktionsschluss für die Liste. Wer zu spät kommt, dessen Spiel kommt (leider) nicht auf die Notenliste, kann aber von den Scouts immer noch von Hand nachgetragen werden. Alle Nachfragen und Daten der Verlage werden final abgeglichen, bis dann der Notenzettel steht: Layouten, zum Drucker bringen und abholen, falten …
Auf der Messe muss dann immer einer vor dem Laptop sitzen: Noten erfassen, erfassen, erfassen ... Ist echte Knochenarbeit, gerade weil so viele Spiele kleingedruckt auf dem Notenzettel stehen. Wir bezahlen dafür gerne eine Kraft, die das für uns zeitweise erledigt. Natürlich läuft trotzdem eine gewisse Kontrolle, dass nicht manipuliert wird.
Und nach jeder Auswertung laufen wir dann los, besorgen die Spiele fürs Regal. Das klappt immer ganz hervorragend. Wie sagte ein Verleger noch: „Wer sich nicht an der Scout Aktion beteiligt, muss ziemlich dumm sein.“ Die Spiele vom Regal werden bereits während der Messe an unserem Stand gespielt und nach der Messe für Berichterstattung und Rezensionen verwendet. Wer aber uns kein Spiel für das Regal und für spätere Rezensionen geben will, dem steht das frei. Allerdings entfällt dann für den Verlag auf der Messe ein positiver Werbeeffekt. Es wäre ansonsten unfair gegenüber allen Verlagen, die unsere Scout Aktion mit einem - wohlgemerkt nur einem - Spiel unterstützen.

Die Spiele auf dem Regal und der Liste machen ganz automatisch Werbung. Das Regal wird hundertfach fotografiert, die Spiele auf den vorderen Plätzen unserer Scoutliste weltweit kommentiert. Diesen positiven Werbeeffekt für die Verlage haben wir anfangs total unterschätzt. Fast zu spät haben wir erkannt, dass sich Spiele auf der Scoutliste bzw. unserem Regal in barer Münze für die Verlage auszahlen. Einige Bewerter haben damals ganz freimütig erzählt, dass sie doch bitte bei uns eine gute Note für das Spiel abgeben sollen. Aus diesem Grund dürfen nur noch Abonnenten und registrierte Scouts Noten abgeben. Alle Noten, sogar für Spiele von Verlagen, die uns nicht unterstützen, werden eingegeben und registriert und sind im Nach-Essen-Endergebnis enthalten.
Um die Kosten für Notenzettel und Arbeit ein wenig zu decken, haben wir dieses Jahr erstmalig bei den Menschen nach Spenden gefragt, die unser Heft nicht abonnieren. Viele haben gerne gespendet, um unsere Arbeit zu honorieren. Wir haben uns darüber sehr gefreut und bedanken uns dafür. Dass einige gerade kein Kleingeld dabei hatten, sich von uns wie in der Berliner U-Bahn von Bettlern belästigt fühlen, können wir verschmerzen. Dass aber einer entrüstet „Warum?!“ fragt, nicht. Warum machen wir die Aktion? Sie wissen es ja längst ... Es ist eine Win-Win-Win-Situation - für Messebesucher bietet sie Orientierung, für die Verlage lohnt es sich ebenso wie für uns.

Alle Abonnentinnen und Abonnenten haben heute die Komplettliste mit den Scout-Ergebnissen erhalten, sofern sie sich für den Newsletter eingetragen haben. Wer sich dafür noch registrieren will, kann eine Mail mit der Abonnummer bzw. Adresse an scoutaktion@fairplay-online.de schicken.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Spiel '14 in Essen: Tagesergebnisse der Scoutaktion

An unserem Stand 3-K102 auf der Spiel '14 in Essen geben unsere Scouts wieder Noten ab.

Am ersten Messetag, dem Donnerstag, trudeln erfahrungsgemäß die Noten noch langsam ein - die Besucherinnen und Besucher der Messe benötigen ja auch ein wenig Zeit, um ihre Spielerfahrungen sammeln zu können. Am Donnerstag haben lediglich einen ersten Trend veröffentlicht, den wir hier auf Twitter im Foto festgehalten haben. Der Endstand von Freitag findet sich ebenfalls auf Twitter.

Die weiteren Tagesergebnisse werden jeweils am Ende eines Messetages in folgender Tabelle aktualisiert (und da auch Redakteure einmal essen müssen, wird das nach 22 Uhr sein...).

Direkt aus Essen twittern Kathrin Nos und Wolfgang Friebe. Der gesamte Twitterstream zu den Essener Spieletagen findet sich unter #spiel14.